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jury2008

Coeur sensible

Der Film „Coeur sensible“ von Nathalie Oestreicher lässt sich nur erleben. Ein Herz wird geraffelt: etwas, das sich, auch von der Materialität her, dem Raffeln widersetzt. Und das tut richtig weh. Macht der Film Angst? Nein, aber er findet für ein existenzielles Grundgefühl eine radikale Metapher. Das Bild ist in seiner Brutalität und Eigensinnigkeit sofort und intuitiv erfahrbar. Angst kann hier als permanente Aufreibung am eigenen Da-Sein verstanden werden. Dass es die typisch schweizerische Bircherraffel ist, kann als zusätzliche Pointe gesehen werden. Gleichzeitig lässt sich dieses Bild nicht auf eine Bedeutung reduzieren, und genau das macht den Film spannend. Der Zuschauer wird mit diesem Film konfrontiert und seine je individuelle Lesart ist gefragt. Zum Film

Vergessen

Der Film beschäftigt sich in dreissig Sekunden mit der Ewigkeit. Was muss um jeden Preis behalten werden, was darf ins schwarze Loch des Vergessens? Am Ende bleibt die Angst, das Vergessen zu vergessen. Oder: wie man Verdrängen im Umkehrschluss visualisieren kann. Zum Film

Im Hinterland

Auf den ersten Blick entwirft dieser Film ein Vorgartenidyll mit Hundekunststück, ästhetisch angelehnt an Youtube-Dutzendware. Die vermeintliche Harmlosigkeit hat es aber in sich: Wieso stellt sich der Hund tot? Was bedeutet das Spiel dann, wenn es Ernst gilt? Entpuppt sich der Vorgarten letztendlich nicht als Trainingsplatz für eine Angstgesellschaft, die sich im Zweifelsfall tot stellt? Zum Film

Haseznacht

Der Film spielt mit den Elementen des Horrorfilms: Dieser Hase kann einen das Fürchten lehren. Dass er sich am Schluss ganz lieb selbst zu Grabe trägt, zeugt von einer seltsam anmutenden Versöhung mit der erlebten Angst. Oder ist es ein Zombie, der noch über den eigenen Tod hinaus gegeisselt wird? Zum Film

Ohne Titel

Ein Leben im Zeitraffer. Unausweichlich, bis zum Tod, mit überraschenden Bildern und rasantem Text – und immer getragen von der Panik, den gesellschaftlichen Zwängen und Idealbildern nicht gerecht zu werden. Wenn das alles sein soll, was von Leben übrig bleibt, kann einem das wahrlich Angst einjagen. Zum Film

Plinio Bachmann u. Gesa Schneider für agent-provocateur.ch